|
Am 16. Januar 1833 erteilt die Regierung der Stadt Bern eine Niederlassungsbewilligung an Joseph CIOLINA aus Toceno im Valle Vigezzo, Oberitalien. Joseph CIOLINA ist Teilhaber des im Jahr 1804 in Mannheim gegründeten Modewarengeschäftes „Gebrüder CIOLINA“.
Die modische Erschliessung der deutschen Schweiz durch erfahrene italienische Textilkaufleute nimmt damit ihren Anfang. Die junge Berner Unternehmung erzielt bei der modehungrigen Damenwelt einen durchschlagenden Erfolg.
Das Angebot enthält „schönste Lyoner Seidenstoffe und Merinos, ausländisches Leinen sowie Möbelstoffe, daneben die neusten Schals der Pariser Mode, die leichtesten Halstücher, Fichus und Schleier, die feinsten Strümpfe und Unterröcke“.
Die rasche Expansion der Unternehmung CIOLINA erforderte einen beträchtlichen Kapitaleinsatz. In der Bilanz standen neben den umfangreichen, aber säuberlich inventarisierten Warenlagern in Woll- und Seidenstoffen auch Reisewagen mit Gespann unter den Aktiven.
Der blühende Handel mit modischen Textilien verlangte einen Domizilwechsel. Der Verkaufsbetrieb wurde von der Kramgasse an die Marktgasse 51 verlegt. Mit dem Kaufvertrag vom 19. November 1884 konnte Jean Maria CIOLINA „das aus Stein erbaute Wohnhaus Nr. 51" samt Grund und Boden zum Preis von Fr. 158’000.- erwerben.
Drei Tage nach dem Tod von Jean Maria CIOLINA wurde am 1. November 1895 die Kollektivgesellschaft CIOLINA & Cie mit Franz Cantadore aus Toceno als Partner gegründet.
Im Frühjahrsprospekt 1906 war zu lesen: „Durch Hinzunahme der 1. Etage sind wir nun in der Lage, unserer Konfektionsabteilung eine bedeutend grössere Ausdehnung geben zu können. Sowohl in Damen- und Kinderkonfektion, fertigen Kostümen und Blusen, Kostümröcken und Jupons, Morgenröcken, Matinées etc. finden Sie eine äusserst reichhaltige und schöne Auswahl in übersichtlicher Weise ausgestellt.“ Dies war offensichtlich die Geburtsstunde des Prêt-à-porter. Der Zugang zur Mode war nicht mehr ein Privileg der Reichen, sondern öffnete sich allen sozialen Schichten.
Die Frauenwelt begann sich von Unselbstständigkeit, Formalität und Bekleidungszwängen zu befreien. Neue Kommunikationsmittel beschleunigten die Ausbreitung der Mode: Zeitungen und Journale, später Radio und Film verbreiteten rasch neue Mode-Leitbilder.
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges veränderte das Gesicht Europas schlagartig. Die Ware wurde knapp und teuer, die Kleiderstoffe schlechter. 1916 wurde Franz Cantadore Alleininhaber der Firma CIOLINA. Dem guten Ansehen, das er und seine Firma in Bern genossen, war es zu verdanken, dass die enorm schwierigen Kriegsjahre überstanden wurden.
1923 nahm die Burgergesellschaft der Stadt Bern Franz Cantadore in ihren Reihen auf. Aus der ehemals italienisch initiierten Firma wurde eine rein schweizerische.
1927 starb Franz Cantadore. Seine beiden Töchter Helen und Margherite gründeten eine Aktiengesellschaft, der Familien-Rahmen des Unternehmens blieb dabei erhalten.
Nach gründlicher Fachausbildung in Paris und London trat 1932 Hans Cantadore in die Firma ein und diente während über 50 Jahren dem Unternehmen. Unter seiner Leitung wurde das Sortiment der Stoffabteilung modisch und qualitativ ausgebaut. Bei der Berner Bourgeoisie zählte massgefertigte Kleidung weiterhin zum guten Ton.
Die Dreissiger Jahre brachten mit der Weltwirtschaftskrise wieder sorgenvolle Zeiten.
1939 löste Hitler den Zweiten Weltkrieg aus. Alle internationalen Handelsbeziehungen wurden unterbrochen, der Import von Textilien praktisch unmöglich.
1958 expandierte CIOLINA ins renommierte Ferienzentrum Berner Oberland und eröffnete seine Boutique in Gstaad.
1962 trat Christoph V. Heller in die Firma ein. Sein erklärtes Ziel war es, das erste Modehaus der Region zu führen. 1966 wurde zum ersten Mal der Messeplatz Paris, später auch München und Düsseldorf besucht. Anfangs der Siebziger Jahre begannen sich Florenz und Mailand zu Einkaufsschwerpunkten zu entwickeln. Der Höhepunkt der Mode für Junge wurde mit den Fashion-Hits aus Swinging London gesetzt.
Erneuerungen, Umbauten, Integration von Shops-in-the-Shop prägten eine sehr hektische Zeit. 1978 wurde die Stoffabteilung geschlossen; die weit über 100-jährige Tradition des Verkaufs modischer Stoffe ging zu Ende. Dadurch entstand Platz für eine Boutique des in dieser Zeit wohl einflussreichsten Modeschöpfers: Gianni Versace.
Im Hause CIOLINA präsentierte sich nach und nach ein Konzentrat von Top-Mode der bekanntesten italienischen, französischen und deutschen Designer, das schweizweit seinesgleichen suchte. Jean Paul Gaultier, Claude Montana, Joop, Krizia, Dolce & Gabbana sind nur einige der grossen Namen. Mit der Eröffnung der Shops von Jil Sander in Bern (1984) und in Gstaad (1988) wurden weitere Meilensteine gesetzt. 1989 eröffnete CIOLINA an der Marktgasse 37 eine „Free Standing Boutique“ des Labels Max Mara, die erste in der Schweiz.
Mit Bruno Heller trat 1991 ein Mitglied der fünften Generation in die Firma ein. Nach umfassender Ausbildung im In- und Ausland wird er mit Enthusiasmus und grossem Fachwissen das führende Modehaus CIOLINA in eine neue Epoche steuern. Schon heute weht ein frischer Wind. Aus dem verstaubten Begriff „Damenmode“ wurde ein selbstbewusstes „Fashion & Lifestyle“.
2001
Im Sinne einer zukunftsorientierten Philosophie wurde im Frühjahr 2001 die Abteilung "men only" für Luxury-, Business- und Casual-wear erfolgreich eröffnet. Eine Produktpalette, die erstmals in der Geschichte von CIOLINA, die Herren ansprach.
2001-2008
Auch im neuen Millennium wurden Designer-Trendlabels wie Gucci, Yves Saint Laurent, Dior, Prada, Dries van Noten, Calvin Klein, Marni, DSquared2, Balenciaga und Lanvin assortiert. In ständigem Bestreben, den CIOLINA Kundinnen und Kunden ein Maximum an Einkaufserlebnis und Service zu bieten, gelang es CIOLINA seine Position als eines der führenden Modehäuser in der Schweiz zu festigen - und weiter auszubauen.
Die CIOLINA Werte Tradition, Innovation und Know-how konnten dank der treuen Kundschaft über all die Jahre erfolgreich gepflegt und weiter entwickelt werden.
2008
Im Dezember 2008 eröffente CIOLINA im Winterskiort Gstaad im Berner Oberland die erste Moncler Boutique. Trotz der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der grossen Depression in den Dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts, übertrifft das neue Projekt sämtliche Erwartungen und das bereits nach der ersten Saison. CIOLINA ist zusammen mit Moncler eine Kooperation eingegangen, die zukunftsweisend ist. Gilt Moncler doch zu Anfang des neuen Milleniums als „the big thing in fashionbusiness“. Selbstverständlich hält Moncler auch in unserem CIOLINA Mutterhaus an der Marktgasse 51 eine breite Modepalette für Damen und Herren bereit.
2010
CIOLINA eröffnet an der Marktgasse 37 in bester Lage eine neue Filiale mit dem sinnigen Namen CIOLINA-37. Bei der Auswahl an Sortimenten bilden die beliebten Brands Bogner sowie Sônia Bogner einen Schwerpunkt. Das bedeutet, dass CIOLINA zurzeit in der Region Bern eines der umfangreichsten Angebote überhaupt dieser angesehen Weltmarke präsentieren kann. CIOLINA hat zusammen mit Kundinnen und Kunden dieses Ereignis gefeiert. Das ehemalige Ski-Ass Bernhard Russi, seines Zeichens im Verwaltungsrat von Bogner Schweiz, war bei der Feierlichkeit anwesend und hat dem Event den gebührenden Glanz verliehen. Gut zu wissen: In die Räumlichkeiten von CIOLINA-37 wurde der erste Schweizer Corner der beliebten Taschen von George Gina und Lucy integriert. Und das in einem Umfang, der keine Wünsche mehr offen lässt.
|